Direkt zum Inhalt

Anstieg bei Hasskriminalität Zunahme um 24 Prozent der homophoben Attacken binnen eines Jahres auf fast 3.000 Straftaten im Jahr 2024

Von ms - 21.05.2025 - 13:10 Uhr
Anstieg bei Hasskriminalität
Foto: iStock / Reinhard Krull
ANZEIGE
Loading audio player...

Im Jahr 2024 sind die Fälle von Hasskriminalität gegenüber der LGBTIQ+-Community erneut anstiegen – das Bundesinnenministerium verzeichnete einen Anstieg von knapp 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt kam es 2024 so zu 2.917 Straftaten, ein Plus von 564 Fällen binnen eines Jahres. 

Fast 3.000 Straftaten gegen LGBTIQ+

Im Bereich der „Geschlechtsbezogenen Diversität“ wurden 1.152 Fälle verzeichnet (2024 noch 854), beim Tatmotiv der „Sexuellen Orientierung“ kam es offiziell zu 1.765 Straftaten (2024 noch 1.499). Die Behörden sowie auch die EU-Grundwerteagentur gehen davon aus, dass 90 Prozent aller Übergriffe nicht erfasst wurden, da die Opfer keine Anzeige erstattet haben. 

Insgesamt ist die Hasskriminalität in Deutschland um rund 28 Prozent auf insgesamt 21.773 Fälle angestiegen. Im Bereich LGBTIQ+ lässt sich der Großteil der Übergriffe (1.566) mit Blick auf das Motiv nicht zuordnen, die meisten anderen Fälle verteilen sich auf Angriffe aus dem rechtsextremen Spektrum sowie mit dem Hintergrund einer ausländischen oder religiösen Ideologie. 

Höchstwert bei Straftaten

Weitere Entwicklungen: Die Zahl der politisch motivierten Straftaten in Deutschland ist 2024 insgesamt um mehr als 40 Prozent angestiegen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einer „bedenklichen Entwicklung“. Insgesamt verzeichnete die Behörde 84.172 Delikte, rund 24.000 mehr als noch 2023 – ein neuer Höchstwert bei der Datenerfassung. Die Aufklärungsquote politisch motivierter Straftaten sank auf knapp 42 Prozent, bei den Gewalttaten wurde eine Aufklärungsquote von rund 66 Prozent erreicht. 

Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund stiegen dabei um 48 Prozent auf rund 42.800 Fälle an, Straftaten aufgrund einer „ausländischen Ideologie“ um 42 Prozent auf rund 7.400 Fälle sowie aufgrund einer „religiösen Ideologie“ um 29 Prozent auf fast 1.900 Fälle. In puncto Linksextremismus war eine Zunahme von 28 Prozent auf rund 10.000 Straftaten zu verzeichnen. In puncto Hass im Internet wurden rund 10.700 Straftaten verzeichnet, etwa 34 Prozent mehr als noch 2023. Bundeskriminalamt-Präsident Holger Münch sagte: „Unsere Demokratie steht unter Druck. Die Bedrohung kommt dabei sowohl von innen als auch von außen.“ 

LSVD+ ist tief besorgt

Der Verband Queere Vielfalt erklärte zu den neusten Zahlen, man sei „tief besorgt“. Andre Lehmann aus dem Bundesvorstand des LSVD+: „Die Zunahme von Hasskriminalität in Deutschland muss uns alle alarmieren. Queere Menschen und andere gesellschaftliche Gruppen werden zunehmend Ziel von Gewalt. Wir fordern endlich wirksamen Schutz für queere Menschen in ganz Deutschland – auch im digitalen Raum. Minderheitenrechte sind der Kern jeder Demokratie und kein ´Nischenthema´, das nur manche betrifft. Niemand darf wegsehen, wenn Menschenfeindlichkeit um sich greift.“

Zudem kritisierte der Verein, dass das Bundesinnenministerium bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen kein Wort zur „verschärften Bedrohungslage“ für die LGBTIQ+-Community verloren habe. „Diese Ignoranz ist brandgefährlich, insbesondere im Vorfeld der kommenden CSD-Saison. Wenn sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzt, werden die Angriffe auf Pride-Demonstrationen weiter zunehmen. Wer vor diesem Hintergrund nicht benennt, was queerfeindliche Gewalt ist und wie sehr sie ansteigt, relativiert ihre Folgen und zementiert blinde Flecken. Queere Menschen brauchen Schutz, Sichtbarkeit und explizite politische Anerkennung ihrer Bedrohungslage.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

GALAProtest für Transgender-Rechte: Rowling-Agent übt KritikBerliner MorgenpostHomophober Angriff in Berliner U-Bahnhof: Polizei sucht diese MännerNDR"Haltet euch fest": Frischer Roman über die Kraft des ZusammenhaltsWiener ZeitungTroye Sivan: Er ist gay! Gay! Gay! Gay!Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

177 Jahre nach seinem Tod

Die Debatte um seine Männerlieben

Am 17. Oktober 1849 starb Frédéric Chopin. Seine Briefe an Männer berühren bis heute – und sorgen weiter für Streit in der Forschung.
Teure Ausgrenzung

Japan verschenkt sein Potenzial

Lohneinbußen, Krankheit und fehlende Rechte: Ein neuer Bericht zeigt, welchen Preis Japan für die Ausgrenzung von LGBTIQ+-Menschen zahlt.
Revision nach Vergewaltigung

Trans* Polizistin ficht Hafturteil an

Trotz Geständnis und Verständigung: Maja S. legt Revision ein. Das Urteil aus Traunstein ist noch nicht rechtskräftig. Was jetzt geprüft wird.
Fahndung nach U-Bahn-Angriff

Schläge, Tritte und Beleidigungen

Zwei Männer sollen in Alt-Mariendorf einen 30-Jährigen homophob beleidigt und verletzt haben. Die Polizei veröffentlicht jetzt Fahndungsbilder.
Eine Sekunde für die Liebe

Schwule Männer im Zeitrausch

Die Schaltsekunde wird abgeschafft. Für schwule Männer beginnt damit eine neue Zeitrechnung – zwischen Grindr, Größenwahn und ganz großen Gefühlen.
Homophobie bei der WM

FIFA meldet Rekordzahlen

240.000 Hassnachrichten bei der Fußball-WM 2026: Besonders Frankreichs Nationalspieler wurden im Netz angefeindet, berichtet jetzt die FIFA.
Vom Eis zur Erotik

Ein verborgenes Fotoerbe

Roy Blakey war Eiskunstläufer und ein Pionier schwuler Fotografie. Nun erzählt seine Nichte von seinem außergewöhnlichen Leben und Werk.
Herbst für zwei

Kuscheln statt Sommerstress

Kalte Tage, warme Bäder und lange Abende: Warum der Herbst für schwule Männer die perfekte Zeit für Nähe zu zweit sein kann.
Überraschung bei „Whalefall“

Ein Wal, ein Vater, ein Geheimnis

Im neuen Survival-Thriller „Whalefall“ verändert eine kurze Frage die Vater-Sohn-Geschichte und eröffnet eine mögliche schwule Deutung.